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Was damals wirklich geschah

Die Suche nach der Wahrheit habe ich schon vor langer Zeit aufgegeben, bzw. ich habe sie tatsächlich gefunden: Aufgegeben, weil sie nicht existiert, und doch gefunden, weil sie etwas ist, was in jedem einzelnem Kopf existiert, nur jedes Mal ist sie anders. Das, was ich für die Wahrheit halte, ist nicht das, was jemand anders für die Wahrheit hält, und schon gar nicht, was sie wirklich ist. Und schon haben wir ein Paradoxon, wenn man bedenkt, dass die Wahrheit nicht existiert.

Nehmen wir mal eine geschichtliche Tatsache, oder besser gesagt, dass was uns beigebracht wurde, was eine geschichtliche Tatsache ist. Wir brauchen dabei nur ein paar Fakten weg zu lassen, oder zu verdrehen, und schon sieht die Welt anders aus.

Ich glaube an nichts, das vor meiner Geburt, oder an einem Ort geschah, der so weit weg ist, dass meine Sinne das Geschehnis nicht mehr aufnehmen konnten (also sagen wir knapp ein paar Meter), und selbst wenn etwas vor meiner Nase passiert, können mich trotzdem meine Sinne täuschen, oder mein eigenes Gedächtnis mir ein Streich spielen, und wir kommen zu der allseits beliebten Frage „Was ist nun wirklich wahr?“ Oder: „Was ist Wirklichkeit?“

Das ist auch der Grund, warum ich nicht wirklich Nachrichten schaue. Ich bin paranoid genug, um zu glauben, dass man uns rein alles vorsetzten kann. Es sind Leute, die mir erzählen, dass an dem und dem Ort, zu der und der Zeit, dies und das geschehen ist. Aber ich war nicht da. Woher will ich also wissen, dass die Person die Wahrheit erzählt? (Wahrheit??? – Und schon können wir diesen sinnlosen Text oben noch mal von vorne lesen!)

Ich glaube auch keinem Buch, das ich Lese. Ich sage zwar sehr oft: „Hey, schau mal. Die Dinge sind so und so.“ Aber was ich meine ist eher „Da und dort habe ich gelesen, dass die Dinge angeblich so und so sein sollen, aber ich kann es nicht wissen, weil es nicht meinen Erfahrungen entspricht, weil ich es entweder anders oder nie bzw. noch nicht erfahren habe.“ Aber die erste Version ist für den Alltag nun mal kürzer. Und wie gesagt, selbst wenn etwas meinen eigenen Erfahrungen entspricht, kann ich nicht dafür garantieren, ob ich nicht entweder getäuscht wurde, oder mich noch daran richtig entsinnen kann.

Lange Rede kurzer Sinn. Das ganze hätte ich mir auch sparen können und einfach das folgende Zitat abtippen, denn alles passiert ja doch nur in unserem kleinen Gehirn:

Auf kurze Sicht gilt immer noch Orrs Gesetz:
Was immer der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen.

Wenn Sie, lieber Leser, Wissenschaftler sein sollten – regen Sie sich nicht auf. Das bezieht sich nicht auf Sie, sondern nur auf die umnachteten Schachköpfe aus dem anderen Lager, die einfach nicht einsehen wollen, dass Ihre Theorie die einzige wahre ist.*

Darum sollte man sich nicht allzu viele Sorgen machen, denn dieses Gesetz ist einfach nur eine menschliche Schwäche und völlig natürlich. Aber man sollte sich doch bewusst werden, dass wir alle nur das glauben, was wir glauben wollen (bzw. was uns einprogrammiert wurde zu glauben) und offener werden, für andere Theorien oder Ansichten, denn sie sind alle gleich falsch und gleich richtig.

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* Robert A. Wilson: Der neue Prometheus

5.6.06 18:38
 


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